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II WARSCHAUER ARCHITEKTURGESPRÄCHE AM 29.11.2013 IN DER DEUTSCHEN BOTSCHAFT IN WARSCHAU
WOHNEN MORGEN – neue, nachhaltige Wohnquartiere
Veranstaltung ist unterstützt durch die Deutsche Botschaft und Stiftung für Deutsch-Polnische
Zusammenarbeit.
Partner: Rehau und Steinbacher Izoterm
Medienpartner: Architektura Murator
Ausgehend von der Genese, dem Status Quo und erkennbaren Trends des nachhaltigen
Wohnungsbaus wurde im gut gefüllten Saal der Deutschen Botschaft am 29.11.2013 intensiv zum
Thema „WOHNEN MORGEN – neue, nachhaltige Wohnquartiere“ diskutiert. Das Thema des
nachhaltigen Wohnungsbaus wurde dabei auf der Ebene des Quartiers wie auch des Wohngebäudes
vergleichend untersucht. Ergänzend bat das PLUS-Format Verfahren und Instrumentarien zur
Umsetzung nachhaltigen Wohnens.
Eingeleitet wurde die Veranstaltung mit einer Exkursion in das 19. Quartier (19 Dzielnica).
Das vom Architekturbüro JEMS entworfene Quartier für 4000 Einwohner in bester Warschauer Lage
wurde vor Ort am Model erklärt und anschließend auch durch die Begehung der Außenanlagen und
die Besichtigung einer Musterwohnung näher veranschaulicht. Das Quartier zeichnet sich durch eine
klare Gliederung der Freiräume in öffentliche Räume (zwei Stadtplätze und eine
Fußgängerverbindung), halböffentliche Räume, die den Häusern zugeordnet sind und geschlossene
private Höfe, die durch Glaswände abgetrennt nur für die Bewohner zugänglich sind, aus. Die Höhe
der Wohnböcke variiert von 10- und 8-stöckigen Wohnblöcken am Rande bis zu 4-stöckigen im
Zentrum der Anlage. Eine städtebauliche Besonderheit stellen die durch die asymmetrische
Konzeption entstehenden „Raum-Taschen“ dar, die der Anlage ein lebendiges Erscheinungsbild
verleihen.
Die hochwertige Ausstattung der Wohnungen entspricht den Bedürfnissen und Wünschen der
anvisierten Zielgruppe.
Mit dem Projekt „Killesberghöhe“, Stuttgart und Nowe Zerniki, Breslau wurden in der Folge zwei
Quartiere, die Ihren Ursprung in früheren Bauausstellungen haben (Weissenhof-Siedlung und WUWA
I), als Beispiel nachhaltigen Denkens, Planen und Bauens dargestellt.
Markus Penell, geschäftsführender Gesellschafter des Berliner Büros O & O Baukunst hat das erste in
Deutschland mit Gold zertifizierte Wohnquartier in Deutschland am Stuttgarter Killesberg präsentiert.
Auf Grundlage des bewährten Wertemodells der „europäischen Stadt“ entstanden die in der
Architekturgalerie im Weißenhof von Kees Christiaanse, Baumschlager & Eberle, David Chipperfield
und O&O vorgedachten Bauten. Im Vortrag wurde insbesondere deutlich wie vom Verfahren der
Entwicklung über die gut gemischt und fein aufeinander und das Umfeld abgestimmten Nutzungen bis
hin zur handwerklichen Qualität der Ausführung eine durchgängig hohe Projektkultur notwendig ist um
derart herausragende und nachhaltige Ergebnisse zu erzielen.
Von dem Architekt Zbyszek Macków von Macków Pracownia Projektowa wurde vorgestellt wie
aufbauend auf der Tradition des WUWA I in Breslau die Entwicklung des Modell-Stadtteils „Nowe
Zerniki“ erfolgte. Mit der Durchmischung von Gewerbe, Dienstleistung und Wohnen in den einzelnen
Quartieren wird die Grundlage für einen nachhaltig nutzbaren Stadtraum gelegt. Die dezentralisierte
Energieversorgung, durchdachte soziale Infrastruktur, der reduzierte motorisierte Individualverkehr,
landschaftsarchitektonische und künstlerische Bearbeitung und der Einsatz moderner
Bautechnologien werden das Quartier in Zukunft auszeichnen.
Schon 2016 wenn Breslau den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“ tragen wird sollen die ersten
Wohnblöcke fertig gestellt sein.
Ein besonderes Beispiel nachhaltigen Bauens im Sinne des gleichzeitigen und gleichberechtigten
Umsetzens der drei Säulen der Nachhaltigkeit Ökonomie, Ökologie und Soziales stellte das vom
stellvertretenden Leiter des Stadtplanungsamtes Freiburg Herrn Thomas Fabian vorgetragene Projekt
Quartier Vauban in Freiburg dar. Der sehr hohe Anteil an Baugruppen und das an den Anforderungen
nach einer hohen Wohn- und Lebensqualität im Quartier und gleichzeitig besten Mobilitätsansprüchen
ausgerichtete Verkehrskonzept sind hier die tragenden Säulen des Konzepts.


Thema des nächsten Architekturgespräches:
STADT IM ALTER – Wohnen in einer alternden Gesellschaft?
Genaueres Termin und Information zu den folgenden Themen im Jahr 2014 finden Sie demnächst auf
der Internetseite: www.coquimalachowskacoqui.com
Iza Małachowska-Coqui
Landschaftsarchitektin
09. Dezember 2013